Bedürfnisorientierung
Warum uns die Debatte so berührt
Warum (viele von) uns die regelmäßigen (wenig hilfreichen) Pro/Contra-Diskussionen um Bedürfnisorientierung so berühren...
Zwischen Überforderung und Aufopferung
Ich glaube, dass es vielen von uns ähnlich geht oder ging: Viele von uns waren erstmals Mutter und (Stichwort: Matreszenz / Muttertät) totally overwhelmed. Für viele kam spätestens da das Thema „Bedürfnisse“ auf den Schirm und die intensive Auseinandersetzung damit - oft zu einer Zeit, in der wir ERSTMALS ein vielleicht gefühlsstarkes, eigen-SINNiges kleines Wesen begleiteten.
Ich glaube: viele (including me) HABEN sich gerade in den Babyjahren über ein gesundes Maß „aufgeopfert“.
Viele von uns SIND lange über die eigenen Bedürfnisse hinweg gegangen. Länger und intensiver als mit Blick auf das Kind vielleicht nötig gewesen wäre. (Und dafür gab es unterschiedliche GUTE GRÜNDE: individuelle Prägung, weibliche Sozialisation, patriarchale Rollenverteilung, gesellschaftlicher Druck...). Zumindest fühlt es sich rückblickend so an.
GLEICHZEITIG haben wir in den Baby/Kleinkind-Jahren unserer Kids unser Bestes gegeben, jeden Tag aufs Neue (und jede Nacht 🥵) und aus unserer individuellen geprägten Situation und Biografie heraus abgewogen.
Der Blick zurück
Ich glaube: Viele von uns stellen sich unweigerlich SELBST oft genug die Frage, „ob das richtig so war“, „wo ich ‚falsch‘ abgebogen bin“, „wie ich früher hätte besser auf mich achtgeben können“...
Viele (including me) stellen sich die Frage: Welche Auswirkungen hatte diese vermeintliche Über-Aufopferung der ersten Jahre auf mein Kind? Hab ich es vielleicht dadurch „nicht resilient genug gemacht“? Hab ich ihm zu wenig zugemutet? Es zu sehr behütet?
Ich kenne diese Schleifen. Ich finde wichtig, HILFREICHE Schlüsse daraus zu ziehen, konstruktiv darüber nachzudenken, und nicht (selbst)destruktiv.
Nicht „die Bedürfnisorientierung“ ist das Problem
Ich finde wichtig, immer wieder zu erkennen, dass nicht „die Bedürfnisorientierung“ das Problem ist (das ist sie nicht, dazu gibt es ausreichend - auch wissenschaftliche - Belege...)
...und auch WIR sind nicht „das Problem“: Auch wir, die vielleicht in manchen Phasen, zu manchen Themen, in manchen Konstellationen „BO falsch verstanden haben“ sind nicht „falsch“ oder unfähig oder zu weich oder zu doof oder zu naiv oder zu lieb.
Wenn Bedürfnisorientierung zur Falle wird
Ich glaube, wir dürfen anerkennen: BESONDERS für Harmoniesüchtige, für People Pleaser, für die „braven Töchter“ KANN die Bedürfnisorientierung zu einer Falle werden (oder sich so anfühlen).
Aber heute weiß ich: Der gesunde, gleichwürdige, verantwortungsvolle, BEDÜRFNISORIENTIERTE Umgang mit ALLEN MENSCHEN (including yourself!) ist die größte Chance für Harmoniesüchtige, für People Pleaser, für die „braven Töchter“, um endlich auch mit sich selbst auf Augenhöhe umzugehen.
Liebe Harmoniesüchtige, liebe People Pleaserin, liebe brave Tochter: Ich sehe dich, wenn du vielleicht zweifelst - an dir selbst, an „BO“, an deiner Herangehensweise, an deinen Fähigkeiten...
und ich wünsche dir, dass du den Mut und den Raum hast - auch wenn es nur ein kleiner Moment ist: dich wirklich mit deinem inneren Kern, deinen Werten, deiner Haltung, deinem Herzen zu verbinden, und zu spüren, dass nicht „BO“ das Problem ist, sondern dass wir uns jeden Tag, in jedem Moment, bei jeder kleinen und großen Herausforderung aufs Neue fragen dürfen, WIE wir genau jetzt, mit Blick auf die Bedürfnisse ALLER, und in unserer individuellen Situation weitermachen wollen.
Denn klar ist (in Anlehnung an Watzlawick):
Wir können nicht NICHT bedürfnisorientiert leben.
Die Frage ist nur, WIE wir es tun.
Voller Konfliktliebe,
Christiane